Endlich ist es soweit: ein neuer Eintrag

Die Zeit (b)rennt!

Das war nicht nur der Titel des Kirchentages, sondern ist auch manchmal der Titel meines Aufenthaltes hier. Schon war November, jetzt ist auch schon Dezember. Ich erlebe hier so viel, dass ich auf der einen Seite kaum fassen kann, was alles in nur drei Monaten passieren konnte und auf der anderen Seite jeder Monat so schnell vergeht, dass ich mich jedes Mal erschrecke, wenn ich auf meinen Kalender schaue.  In diesem Sinne: „WAS? Schon der zweite Advent?!“

Ich packe meinen Koffer und wer kommt mit?

Leider keiner. Denn Spielen ist gar nicht leicht und ganz und gar nicht selbstverständlich. Das weiß ich jetzt. Gruppenspiele waren immer Teil meiner Kindheit und Jugend gewesen – auf Freizeiten, im Unterricht, auf Geburtstagen. Neulich hatten wir Zeit und ich wollte einen Spieleabend mit den Chicos machen. Da stellte ich erstaunt fest, dass es ganz schwer für sie war zu spielen. Solche Spiele kannten sie nicht. Dazu konnten sie nicht unterscheiden, was Spiel und was Wettkampf war. Ich war bestürzt. Wie konnte das sein? Wieso konnten diese Kinder nicht einfache Gruppenspiele spielen? Das Ergebnis aus dieser Erfahrung ist daher wohl äußerst verständlich: jeden Mittwoch eine Stunde vor den Proben spielen– denn Spielen ist wichtig! Und das Lachen, dass ich zu hören bekomme, wenn wir so einfache Spiele wie Obstsalat oder Ozeanwelle spielen, motiviert mich immer wieder, nicht aufzugeben und weiterzumachen, egal wie anstrengend es ist.

Hilfe, Omar blutet!

An einem Abend kam ein Freund von mir mit klaffender Wunde im Arm ins Centro. An einer Straßenecke hatte man ihn überfallen und ihm ein Messer in den Arm gerammt. Zum Glück war Edgar Sahonero, der Arzt unter den Masis da und konnte Erste-Hilfe leisten. Allerdings nur so gut es ging, denn leider hatten wir keinen Erste-Hilfe-Kasten im Centro. Einige Zeit später marschierte ich daher dann zur Apotheke. Jetzt schmückt ein weißer Kasten mit rotem Kreuz das Centro.

 “Viel Glück, ihr packt das!”

Wer denkt, dass das Musizieren im Centro Cultural Masis von allen gutgeheißen wird, der hat sich geirrt. So haben zum Beispiel die „Domingos“, 6 Schüler des Centros, wahre Probleme am Anfang in ihrer Schule gehabt, als man erfuhr, dass sie im Centro Schüler waren – nicht von ihren Mitschülern, sondern von der Musiklehrerin. Ich hatte das Vergnügen, diese Dame beim Talentwettbewerb in der Schule der Jungen kennen zu lernen und war äußerst froh, die sechs nervösen Talente zu begleiten und ihnen vor ihrem großen Auftritt Mut zu machen. Das Ergebnis war dann auch sehr erfreulich: sie haben den 2. Platz gewonnen, direkt nach den Lieblingen der Musiklehrerin…

Mit Segelohren die Wunderwelt Natur entdecken

Neben dem ganzen Arbeiten haben sich die drei Bolivien-Brücke-Freiwillige auch einmal eine Reise gegönnt. Äußerst spontan traten sie eine Reise in die Wunderwelt des Salar de Uyuni an – ein atemberaubendes Erlebnis. So ein Werk der Naturkräfte hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gesehen, und oft wenn ich daran denke, bezweifle ich teilweise, ob das, was ich sah, wirklich real war. Zunächst war da das Salz. Konnte diese große Fläche pures Salz sein, oder war es nicht vielleicht doch Schnee? Nun, die Geschmacksprobe machte deutlich, dass es sich wirklich um Salz handelte. Und dann war da noch etwas. Kannst Du es hören? Nein? Diese Stille zwischen Meterhohen Kakteen war wunderschön, beruhigend, friedenstiftend. Schau mal! Dort hinten, siehst Du die Lamas? Und dort, so viele Flamingos in der Lagune! Beeindruckend! Lagunen, Berge, Wüsten und Lavagebilde. Wirklich einzigartig! Wenn Du also mal eine Rundreise durch Bolivien planst, darfst Du den Salar de Uyuni auf gar keinen Fall vergessen!

„Warte einen Augenblick, ich habe mich noch nicht gefunden.“

Wir lernen gerade ein neues Stück im Centro. Dieses Stück ist ganz und gar nicht logisch und deshalb nicht leicht einzustudieren. Damit wir die Melodie verinnerlichen, haben wir mit Roberto die Methode „Relax“ angewendet. Auf dem Boden liegend, haben wir unsere Energie gesammelt und uns stark konzentriert und so die Musik zuerst in unser Unterbewusstsein und dann in unser Bewusstsein aufgenommen. Für mich war das das erste Mal und eine äußert interessante und überraschende, aber auch sonderbare Erfahrung. So habe ich mich kaum bewegen können, da ich wie festgeklebt am Boden lag. Am Ende der Übung musste ich mich erst einmal wiederfinden, da ich für einige Minuten ganz woanders war. Wirklich spannend, was man alles mit sich machen kann!

„WHAT?!“

Letzte Woche habe ich wieder einmal feststellen müssen, dass ich sehr dankbar für die Bildung sein kann, die ich in Deutschland bekommen habe. So habe ich Fabricio Englischnachhilfe gegeben, damit er seinen Test besteht. Fabricio ist vierzehn Jahre alt, in der 8. Klasse und lernt im Englischunterricht gerade, wie man sich unterhält, also wie man sich begrüßt und verabschiedet. Zu allem Überfluss lernt er dann auch noch die Grammatik so, wie er sie später in geschriebenen Texten nicht mehr anwenden darf. Es ist also kein Wunder, wenn viele der Jugendlichen hier kein Englisch können, denn man gibt ihnen ja gar nicht erst die Chance. Genauso ist es verständlich, dass die, die Englisch richtig lernen wollen, ins Amerikanisch-Bolivianische Institut gehen müssen, und dann Abend für Abend studieren und studieren.

Mit Tracht NortePotosi durch Sucre

Mittlerweile bin ich komplett Teil der Q’arapanzas, was bedeutet, dass ich ebenfalls tanze und die Lieder spiele. Genauso trage ich die Trachten. Einen kleinen Unterschied gibt es natürlich. Denn es ist nicht dasselbe, ob eine Bolivianerin in Tracht herumläuft oder eine „Gringita“. So habe ich einige lustige Situationen erleben können. Zum Beispiel hatten wir an einem Sonntag einen Auftritt, zu dem auch der Präsident Evo Morales kam. An diesem Tag war nämlich „Juancito Pinto“, an dem die Schüler Prämien bekamen, wenn sie gut in der Schule gewesen waren. Ich lief also um sechs Uhr morgens zum Centro in der Tracht „Norte Potosí“, da wir uns schon um sieben Uhr treffen sollten. Ich lief also mit meinen Avarcas (Art Sandale), meinem langen Kleid und blonden Flechtzöpfen durch die Straße, während sich die Taxifahrer fast die Hälse ausrenkten, als sie an mir vorbeifuhren. In einer anderen Situation war ich die Attraktion des Centros. An einem Freitag war die Nacht der Museen, in der alle Museen bis spät in die Nacht geöffnet waren. So auch das Centro. Zunächst spielten wir Q’arapanzas (Los Masis spielten an einem anderen Ort) und danach war es meine Aufgabe, in der Tienda (Laden) Rede und Antwort zu stehen. Hätte ich für jedes Foto, was die Besucher von mir gemacht haben, fünf Bolivianos genommen, wäre ich jetzt sicherlich Millionärin ;-)

„Ich streike!“

Wenn mich etwas wirklich aufgeregt hat, dann war es die Tienda. Dadurch, dass Roby seine kranke Mutter nach Cochabamba begleiten musste, saß ich jeden Vormittag in der Tienda. Am Anfang war das noch akzeptabel. Doch irgendwann langweilte ich mich so stark und verlor jegliche Motivation – hatte ich doch eigentlich so viel zu tun, was ich jedoch nicht realisieren konnte, da ich in der Tienda Löcher in die Wand starrte. Nach einem Gespräch mit Walter und einer Mail an Roby packte ich dann meine Sachen und zog nach oben ins Büro, wo ich dann das tat, was ich tun wollte und notwendiger war. Schließlich bin ich die VolunDaria und nicht die Verkäuferin!

„Daria, vos vas con nosotros, no ve?“ – “Claro, que sí!”

Mit Los Masis war ich jetzt schon zwei Mal unterwegs. Zuerst in Oruro, dann in La Paz. Das erste Mal hatten Los Masis einen Auftritt bei der Fraternidad der Diablada Oruros. Auf diese Weise lernte ich auch gleich die wirklich tolle Schwester Robertos und ihre Familie kennen. Die Reise nach La Paz nutzte ich aus, um Selma in El Alto einen Tag lang zu begleiten. Ich habe mich sehr gefreut, sie so glücklich in ihrem Projekt zu sehen. Ihr Projekt ist ganz anders als das meinige, aber auch sehr interessant!

Ich bedanke mich in diesem Sinne noch einmal bei dem Freiwilligen-Team der Bolivien-Brücke, denn unsere Projekte sind wie für uns auf den Leib geschnitten.

DANKE!

„Wenn Du Dich langweilst, machst Du etwas falsch!“

Das denke zumindest ich. Zurzeit kann ich mich vor Arbeit kaum retten. Arbeit an der Web-Seite von Los Masis (Texte gemeinsam mit Roby schreiben und sie dann ins Deutsche und Englische übersetzen, Fotos suchen, etc.), die Tournee mitorganisieren, dazu die Arbeit an meinen Projekten im Rahmen des Ferienprogramms (seit Mitte November haben die Chicos Ferien) und an den Vorbereitungen für das Jahreskonzert der Q’arapanzas. Meine Projekte? Als erstes hatte ich mir als Ziel gesetzt, eine Liste mit den Daten der Kinder und Jugendlichen zu erstellen. Mittlerweile habe ich fast alle und die Liste hat auch gleich ihren Nutzen gezeigt, denn einer unserer Auftritte wurde um vier Stunden vorverlegt und dank der Liste konnte ich alle Chicos anrufen und ihnen mitteilen, dass sie früher kommen mussten.

Mein zweites Ziel war der Geburtstagskalender, der mittlerweile im Vorraum des Saales hängt und vor dem sich in jeder freien Minute die Chicos tummeln, um zu sehen, wer wann Geburtstag hat.

Jeden Dienstag und Donnerstag mache ich mein Fotoprojekt: „Música en mi vida“ (Musik in meinem Leben). In diesem Projekt sollen die Chicos reflektieren, wo sie Musik in ihrem Leben finden und welche Einflüsse diese auf ihr Leben hat. Später sollen sie drei Fotos schießen, auf denen zu sehen ist, wo Musik in ihrem Leben eine Rolle spielt. Am Ende werden die Ergebnisse präsentiert. Was ich mit dem Projekt beabsichtige? Die Chicos sollen lernen zu reflektieren, ihre Gedanken in Worte zu fassen (was durch die schulische Erziehung gar nicht so leicht ist, da hier vor allem Wiederholen und Auswendiglernen die Methoden sind), ihre Fantasie und Kreativität zu nutzen, vor anderen zu präsentieren und zu sprechen. Bis jetzt haben wir herausgefunden, was „Leben“ und was „Musik“ ist, und was „Musik in meinem Leben“ ist. Jetzt geht es an die Fotos. Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse, denn das was ich bisher von den Chicos gehört habe, hat mich schon sehr beeindruckt! Und es ist schön, so die Chicos von einer anderen Seite und sehr viel intensiver kennenzulernen. De verdad, ellos son verdaderamente capos!!!

„La Lesly, Rosso y Daria van a tener que trabajar mucho!“  

Wieso? Nun, in diesem Jahr werden wir am 22.12. ein großes Konzert geben. Viele Stücke müssen wir üben und einstudieren bis es sitzt! Da Los Masis aber selbst einige Auftritte in der Zeit bis dahin haben, heißt es für uns drei: Dirigieren was das Zeug hält. Morgen zum Beispiel sind Los Masis in Oruro, um ihr Morenada-Videoclip zu drehen. Darum werde ich den Gesang-Chuntunquis*-Workshop morgen Vormittag leiten. Abends sind dann Lesly und Rosso, zwei der Älteren, an der Reihe. Das ganze sollte aber nicht negativ gesehen werden. So lernen wir selbständig zu arbeiten, was besonders für die Zeit, wenn die Masis in Europa sind, wichtig ist.

Ich bin immer noch super glücklich hier in meinem Projekt, in meiner Gastfamilie, in meinem Freundeskreis und hier in Sucre!

Muchos saludos a todos en Alemania y FELIZ NAVIDAD (das kann man ja jetzt schon sagen…)

Eure DARIA

* Chuntunquis ist der Name fuer die Weihnachtsmusik hier in Sucre (welche nicht mit der Deutschen Weihnachtsmusik zu vergleichen ist)

Resumen de los últimos meses: Bericht No.1

Herzlich Willkommen in Bolivien!

„Hola! Cómo estás?“

Noch nie war ich in einem Land, in dem ich mit so offenen Armen empfangen wurde, wie hier in Bolivien. Ein Kuss auf die Wange, eine Umarmung. Immer ein offenes Ohr und wahres Interesse. In Sucre kennt man sich. Man begrüßt sich und geht nicht einfach aneinander vorbei. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mich so schnell eingelebt habe (wenn ich davon schon sprechen darf) und warum ich mich hier so wohlfühle.

Mit Los Masis habe ich eine neue Familie gefunden, mit der ich Lachen und Scherzen, aber auch Reden und Vertrauen kann. Fast jeden Tag verbringe ich mit meinen „6 Brüdern und meinem Papa“. Vormittags und nachmittags bin ich im Büro, übersetze spanische Texte ins Deutsche, organisiere Dinge für Los Masis und was sonst so ansteht. Abends kommen dann die Chicos , die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich sehr viel Spaß habe. Wir üben das Spielen auf Zampoñas (Art Panflöte), nachdem die Chicos ihre Hausaufgaben gemacht haben. Bis mindestens 22:00 Uhr bin ich so gut wie jeden Tag im Centro Cultural Masis – nicht weil ich muss und auch nicht, weil ich nichts anderes zu tun hätte -  nein, es gefällt mir einfach, den Tag bei der Probe von Los Masis ausklingen zu lassen.

Glaube und Kraft

In den ersten Wochen hier in Bolivien habe ich viel getanzt. Wo? – auf der Straße! In Deutschland kann man sich das eher weniger vorstellen. Genauso wenig man sich in Deutschland vorstellen kann, dass man für die so genannte „Virgen de Guadalupe“ tanzt, in Minirock und Teufelsmaske. Ich konnte mir das auch nicht vorstellen. Aber sobald ich dabei war, die Diablada getanzt habe, habe ich etwas gespürt, was ich so noch nie erlebt habe. Diese Kraft, Energie und Glaube, die ich zu spüren bekam, war beeindruckend und hat mich mitgerissen – ein wundervolles und einzigartiges Geschenk! Immer wenn ich wieder daran denke, kribbelt es in meinem Bauch.

Allgemein spielt Glaube eine große Rolle hier in Bolivien und speziell im Centro Cultural Masis. Für mich ist es sehr interessant zu beobachten, wie der katholische Glaube (sehr viel intensiver, als der katholische Glaube in Deutschland) im Einklang mit der andinen Religion harmoniert. So spielt Gott, aber auch die Pachamama eine sehr große Rolle im Leben der Bolivianer – das gefällt mir!

Centro Cultural Masis

„Daria! Por favor, canta la canción!!!“

Mir ist in dem letzten Monat klargeworden, wie wichtig das Centro Cultural Masis für die Kinder und Jugendlichen ist. Viele von ihnen kommen aus sehr schwierigen Familienverhältnissen und leben in den Barrios Sucres am Stadtrand. Familiäre Probleme, wie Alkoholismus, Armut und fehlende Bildung prägen den Alltag dieser Kinder und Jugendlichen. An einem Samstag beispielsweise waren viele der Jungen nicht da, weil sie beim Fußballspiel Popcorn und Süßigkeiten verkauft haben. Oder an einem anderen Tag habe ich Bryan getroffen, der seiner Mutter half, die Kirchen Sucres zu putzen. Das Centro hilft den Chicos mit den Problemen, mit denen sie konfrontiert werden,  umzugehen und schenkt ihnen einige Stunden Abstand von all dem. Ihnen werden Werte vermittelt, wie Respekt und Verantwortung. Die Idee, die dahinter steckt, erscheint mir sehr wichtig: die Kinder und Jugendlichen tragen diese Werte nach außen, können ihr eigenes Leben verbessern, aber auch das ihrer Familie und so auch das der Gesellschaft. Die Chicos lernen auch ihre Kultur und ihr Land zu schätzen. Dies ist sehr wichtig, denn an vielen Instituten hier in Sucre lernen die Kinder und Jugendlichen Sprachen, etc. um dann in Zukunft ihr Land zu verlassen und in andere Länder zu gehen.

Meistens üben wir abends, letzten Samstag hat uns der Jefe (Roberto) dann aber mal frei gegeben und wir haben gespielt. Ich  habe in meiner Spielekiste gekramt und ihnen zwei neue Singspiele beigebracht. Jetzt muss ich ihnen die Lieder immer wieder vorsingen J Ich fühle mich sehr wohl im Centro, mit den Chicos. Wir verstehen uns gut, daher sehe ich die drei Monate, in denen ich die “Chefin” des Centros sein werde (wenn Los Masis auf Tournee sind) sehr optimistisch.

Viel haben wir in letzter Zeit gemacht, viel liegt noch vor uns. Unser größter Erfolg ist die Eröffnung unseres Musikladens „TAKIY- Music Fair Trade“ am Mittwoch! Die Chicos und Los Masis haben bei der Einweihung gespielt und allgemein glaube ich, dass die Eröffnung ein sehr gutes Licht auf das Centro Cultural Masis geworfen hat und der Laden in Zukunft eine gute Einnahmequelle sein wird.

Wasser – ein wertvolles Gut

Mein Wecker klingelt. Ich steige aus meinem Bett und wanke ins Badezimmer. Mit halb geöffneten Augen öffne ich den Wasserhahn und  – nichts. Genauso wenig kommt ein Wassertropfen aus der Dusche. Die Klospülung kann ich gleich vergessen.

Das war meine erste Woche, nachdem ich von der Sprachschule in meine Gastfamilie gezogen bin. Mittlerweile muss ich mich nicht mehr mit Wasser aus der Zisterne, das wir in Plastikflaschen gefüllt haben, waschen. Der Grund: die Straßen wurden aufgerissen und die Wasserleitung gekappt. Im Moment gibt es viele Baustellen in Sucre. Jeden Tag, wenn ich zum Centro Cultural Masis gehe, laufe ich an den Arbeitern vorbei, die in der prallen Sonne mit Hammer und Meißel  den Asphalt aufklopfen – alles ohne Augen- und Ohrenschutz, geschweige denn Schutzkleidung. Und da schimpfen wir in Deutschland über harte Arbeit!

Miskhamayu

 „Folge einfach den Mädchen, die zeigen Dir den Tanz.“ Und so laufe ich den Mädchen hinterher, bis ich plötzlich im Innenhof des kleinen Lehmhäuschens sitze.

Bei unserem Besuch in Miskhamayu habe ich gemerkt, was Lebensfreude bedeutet. Die Menschen in diesem Dorf, ca. 2 Stunden entfernt von Sucre, besitzen nicht viel. Umso mehr schaetzen sie das, was sie haben. Die Herzlichkeit, die mir in Miskhamayu entgegen gebracht wurde, hat mich stark berührt. Durch Zufall bin ich dort in die Tauffeier einer Familie geraten, während Los Masis mit den Schülern des Internats Basketball gespielt haben. Dort im Innenhof des kleinen Lehmgehöftes saß ich mit meiner Suppe und später mit einem Teller Reis, Ají de Pollo und Kartoffeln (ich hatte eigentlich überhaupt keinen Hunger, aber in solchen Dörfern darf man auf gar keinen Fall „nein“ sagen). Ich habe kein Wort von dem verstanden, was die Familie gesagt hat, da sie in Kechua sprachen. Und dennoch habe ich mich sehr wohl gefühlt – Mit einem Lächeln kann man sich auch verständigen.

Meine Anwesenheit in Miskhamayu war etwas Besonderes und zugleich Sonderbares für die Kinder. Sie liefen um mich herum, drehten sich kichernd um, wenn ich sie anschaute, denn nur sehr selten kommen Weiße nach Miskhamayu.

Berührend war für mich das Leuchten in den Augen der Schüler des Internats, als ich ihnen Bananen und Orangen geschenkt habe. So glücklich waren sie darüber. Normalerweise essen sie keine Bananen oder Orangen, da es dieses Obst, wenn überhaupt, nur im nächsten größeren Ort Tarabuco und dort nur zu sehr hohen Preisen gibt.

Miskhamayu war ein tolles Erlebnis! Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch!

Ich bin froh hier in Bolivien zu sein, im Centro Cultural Masis zu arbeiten und in dieser tollen Kultur zu leben! Danke!

Und zum Schluss eine kurze Vorstellung  „meiner bolivianischen Familie“:

El „jefe“ Roberto Sahonero: mein „Papa“, der sehr lecker kochen kann und der mir versucht, Kenaflöten beizubringen, während ich ihm Fingerübungen an der Harfe aufzwinge :)

Roby: mein offizieller Ansprechpartner und großer Bruder hat zwei Gesichter: auf der einen Seite ein begeisterter Masi, auf der anderen Seite ein begnadeter Rocker! Sonntags sind Roby und ich im Park anzutreffen: Thai Chi!

Walter, mein großer Bruder 2: der Gourmet von Los Masis. Mit Walter kann man gut reden und gut essen gehen, denn er kennt alle guten Restaurants. Walter passt gut auf mich auf, fährt mich abends immer nach Hause und erfreut sich daran, dass ich immer rot werde, wenn er sagt: Werde nicht rot!

Gonzalo, auch Wachacho genannt, hat wohl die tiefste Stimme, die ich jemals  gehört habe! Was die Beziehung Mann-Frau angeht, ist er wohl der größte Scherzkeks.

Edgar Sahonero, mit Spitznamen Cacho, hat mich in den ersten Wochen gerettet: Der Mediziner unter den Masis hat mich zu neuen Kräften gebracht, sodass ich mit voller Energie die Diablada tanzen konnte!

René ist der jüngste von Los Masis, ist ein guter Freund und hat eine super süße Tochter! Ab und zu spiele ich die Ersatzmama, wenn der Papa mit Los Masis probt!

Und für alle, die wissen wollen, wer der (wahrscheinlich) neue Charangist ist, hier ist Gillmar.

Und dann ist da meine Mama Elsa! Elsa kocht wirklich sehr, sehr lecker und kümmert sich sehr gut um mich! Jetzt, wo Patricia, die jüngste Tochter, auszieht, sind wir ein 2-Frauen Haushalt! (in dieser Tracht hat Elsa bei der Fiesta de la Guadalupe getanzt)

Muchos saludos y un gran abrazo a todos. Vielen Dank für all die netten Kommentare, die ich von Euch bekommen habe,

Eure Daria !

TAKIY music fair trade

Letzten Mittwoch war es endlich soweit: nach langer Planung und vielen Vorbereitungen haben wir unseren Musikladen eröffnet. Viele Leute haben wir eingeladen, von Freunden bis hin zu Journalisten vom Fernsehen (was dazu geführt hat, dass man mich im Fernsehen bewundern konnte^^). Die Einweihung war ein voller Erfolg. Die Chicos und Los Masis haben gespielt und im Großen und Ganzen haben wir ein sehr gutes Bild auf das Centro Cultural Masis und die tienda geworfen. Wir haben sogar schon einige Dinge verkauft. Im Folgenden findet ihr das Konzept der tienda:

TAKIY – Music Fair Trade

Die Idee dieses Ladens ist es,  der Öffentlichkeit andine Musik und Instrumente mit guter Qualität anzubieten. Der Besucher kauft nicht nur qualitativ hochwertige Produkte zu einem fairen Preis, sondern erhält auch jegliche Informationen von wem die Produkte stammen und wen bzw. was er mit dem Kauf unterstützt, wie zum Beispiel die Arbeit des Centro Cultural Masis.

Mission:

Die Erhaltung, Aufwertung und Verbreitung des kulturellen andinen Erbes, mithilfe des fairen Handels von Musikinstrumenten und qualitativ hochwertige Musik, vorantreiben.

Vision:

Der örtliche Ansprechpartner für den Erwerb von Musikinstrumenten und qualitativ hochwertige Musik sein, und so eine wichtige Quelle für die Unterstützung der Nachhaltigkeit der Arbeit des Centro Cultural Masis formen.

In diesem Laden werden in erster Linie die Musik von Los Masis, seinem Centro Cultural, sowie von den besten Volksmusikgruppen Boliviens und den Anden verkauft.

Angeboten werden:

- Originale CDs der andinen Musik
- Aerófonos (Quenas, Zamponias,Tarkas, etc.)
- Saiteninstrumente (Gitarren, Charangos, Mandolinen, etc.)
- Percussionsinstrumente
- Musikaccessoires
- Lernmethoden der andinen Musik

Diablos y Miskhamayu!

Schon sind wieder zwei Wochen vorbei und so viel ist passiert…

Das wohl wichtigste „Event“ war „La Diablada“. Wochenlang haben wir geprobt und getanzt was das Zeug hält. Wir haben geschwitzt und unsere Füße wundgetanzt.

Am 3. September war dann die große Generalprobe „El Comvite“. Von 14 Uhr bis 20 Uhr sind wir durch Sucre getanzt. Die Sonne war sehr stark und es war sehr anstrengend so lange zu tanzen. Es hat aber sehr viel Spaß gemacht!

Am 4. September war dann die Messe zu Ehren der Virgen de Guadalupe. Zum ersten Mal habe ich mit den Masis zusammen gespielt. Und das werden wir wiederholen! Ich bin jedes Mal beeindruckt,  welche Kraft und Energie in diesen Gottesdiensten versprüht wird. Besonders gefällt mir die Geste seinen Mitmenschen „La Paz del Dios“ zu wünschen!

Am 8. September ging es dann in Sachen Diablada richtig los: Abends haben wir la fiesta de Diablos gefeiert. Am Samstag war endlich die große entrada. Es gab viele verschiedene Gruppen, die traditionnelle Tänze getanzt haben, wie die Morenda, den Thinku oder Caporales.  Wir „Teufel“ haben ab 17 Uhr getanzt. Am Anfang konnten wir noch gut tanzen. Später wurde es dann schwieriger, da immer wieder Betrunkene zwischen die Reihen kamen. Totzdem: wir haben gut getanzt und hatten unseren Spaß. Um 2 Uhr sind wir dann in der Plaza angekommen: fix und alle - aber glücklich. Am Sonntag nach der Messe um 11:30 haben wir weiter getanzt. Dieses Mal aber „richtig“: wir sind gesprungen, gelaufen und haben uns gedreht! Dieser Energie und Freude – unbeschreiblich.  Danach sind wir dann ins Centro Cultural Masis gegangen bzw. getanzt, wo wir dann alle zusammen gegessen haben. Dann wurden alle „Neulinge“, also auch ich, getauft. Wir mussten schwören mindestens drei Jahre  die Diablada zu tanzen und dann bekamen wir Mehl auf den Kopf und mussten Bier mit einer Wurst trinken.Also meine Lieben in Deutschland: ich werde wieder nach Bolivien zurückkehren!

Gestern sind Los Masis und ich dann nach Miskhamyu gefahren. Miskhamayu ist ein Dorf ungefähr 2 Stunden mit dem Auto entfernt und die Menschen dort sind sehr arm.

Die Gemeinde Miskhamayu ist schon sehr lange mit Los Masis befreundet. Zusammen haben sie ein Internat gegründet, in dem die Jungen bilingual, also Spanisch-Quechua unterrichtet werden. Diesen Mittwoch gab es eine Feier zu Ehren des Schutzpatrons des Dorfes. Los Masis haben in der Messe gespielt. Irgendwann hörte ich Trommeln und René (von Los Masis) meinte zu mir, dass ich mit den Mädchen mitgehen solle, um den Tanz zu sehen. Ich bin ihnen also gefolgt, allerdings gingen plötzlich alle in den Innenhof ihres Hauses. Herzlich wurde ich empfangen – auch wenn ich kein Wort verstanden habe, denn alle Sprachen Quechua. Plötzlich bekam ich eine Suppe – sehr lecker, aber auch sehr viel. Als ich den Teller aufgegessen hatte, bekam ich prompt einen zweiten Teller – auch sehr lecker, aber auch sehr viel. Nach einer Stunde kam dann René und war sehr erfreut mich endlich gefunden zu haben J Auch wenn diese Begegnung sehr spontan und ungeplant war – so war sie doch sehr schön.  Generell waren alle in Miskhmayu sehr herzlich, auch wenn viele der Kinder erstaunt über mein Aussehen waren. Als Geschenk habe ich den Jungen des Internats Bananen und Orangen mit gebracht: sie haben sich sehr darüber gefreut, denn für sie sind diese Früchte etwas sehr sehr besonderes.

Zuletzt möchte ich euch noch über harte Arbeit informieren: die Menschen hier schlagen mit der Hand den Asphalt auf, um die Straßen zu reparieren!

Ich hoffe ihr seid alle Gesund und Munter in Deutschland – bis zum nächsten Mal, eure Daria :)

Una semana más tarde…

Die Zeit rennt! Fast ist eine Woche wieder rum und so viel haben wir erlebt. Neben dem Diablada-Tanzen und Spanisch Unterricht, waren wir am Sonntag mit Roberto in Tarabuco. Da im Auto kein Platz mehr war, durften wir drei auf der Ladefläche sitzen. Eingepackt in unseren Schlafsäcken (es war extremst kalt aufgrund der argentinischen Kältefront) ging es um kurz nach 8 Uhr los. Die Bolivianer habensich gekrümmt vor Lachen, als sie und eingepackten Deutschen Freiwillgen erblickten. Die Fahrt war dadurch äußert amüsant. Die Landschaft war beeindruckend. Die Bergketten, die Täler umgeben von blauem Himmel oder einem Wolkenmeer. Am Straßenrand liefen die campesinos mit ihren Eseln entlang, um zu ihren kleinen Dörfern zu gelangen. In Tarabuco angekommen, haben wir erst gefrühstückt und dann einen Rundgang durch die Straßen gemacht. So wunderschöne Stoffe habe ich wirklich noch nicht gesehen – so farbenfroh und mit so viel Liebe fürs Detail gewebt. Tarabuco ist wirklich lohnenswert zu besuchen. Ich bin jetzt gegen Kälte ausgerüstet: mit einer Mütze aus Lamawolle :)

Diesen Mittwoch haben wir mit unseren Lehrerinnen bolivianisch gekocht: „Sarte de Pollo“. Dazu gab es Chunos con maní molido. Sarte de Pollo besteht aus Nudeln, Kartoffeln, Hühnchen und einer „Ají-Soße“. Ají ist ein sehr scharfes Gewürz. Chunos sind gefriergetrocknete Kartoffeln, die man einen Tag vorher in Wasser aufweichen muss, um sie dann zu kochen und maní molido ist eine Erdnussmasse, die unter die Chunos untergemischt wird. Das war sehr lecker, auch wenn ich mich ersteinmal daran gewöhnen muss, Kartoffeln und Nudeln und Reis zu essen und kaum Gemüse. Dafür kann man hier so viele leckere Früchte essen!  Als Nachtisch gabe es deutschen Streuselkuchen, der äußert gut ankam!         

 

Jetzt muss ich zur Diablada-Probe „HEY“ y CHAO aus Bolivien!

SUCRE

Jetzt bin ich schon seit einer Woche auf einem anderen Kontinent, in einem anderen Land und in einer anderen Stadt. Bolivien ist wunderschön, Sucre ist toll und die Menschen sind sehr freundlich und ich fühle mich sehr willkommen und glücklich.

Bisher sah mein Tagesablauf so aus: Morgens um 6:30 für die Diablada üben (das ist ein Tanz, den wir am 10 September bei der Fiesta de la Virgen de Guadalupe tanzen werden), von 9 bis 10:30 Sprachunterricht mit Eva. Um 11 Uhr Harfe spielen und Roberto (der „Jefe“ von Los Masis) Harfe beibringen. Um 13 Uhr Mittagessen und um 15 Uhr Sprachunterricht mit Inés. Um 19 Uhr gibt es Abendessen und um 20 Uhr wird wieder die Diablada geübt.

Wir üben die Diablada im Parque Bolivar, mitten auf der Straße. Roberto dreht sein Autoradio laut auf und wir tanzen zu der Musik. Man kann sich das in Deutschland kaum vorstellen, aber hier üben viele Gruppen mitten auf der Straße verschiedenste Tänze! Das ist wirklich toll.

Der Sprachunterricht ist auch super! Unsere Lehrerinnen sind klasse und wir lachen viel!Unser Unterricht findet kaum im Klassenzimmer statt, sondern auf den Straßen und Märkten Boliviens. Die Märkte sind wirklich spannend. Obst, Brot, Fleisch, Kartoffeln, aber auch Hygienesartikel stapeln sich an den Wänden oder an der Straße. Diese Märkte kann man wirklich nicht mit den Märkten aus Deutschland vergleichen!

Los Masis sind allesamt super nett! Ich fühle mich bei ihnen richtig wohl! Ich kann immer zu ihnen kommen, wenn ich Hilfe brauche oder auch nur so. Ich  freue mich schon auf die kommende gemeinsame Zeit. Die Kinder sind auch klasse. Ich bin gerade dabei die vielen Namen zu lernen :)

Am Dienstag gab es ein Willkommenskonzert für zwei Freunde aus Amerika von Roberto und für uns. Das war so klasse. Die Musik war einmalig und ich wollte nur mittanzen. Die Chicos und die Masis haben sich die traditionellen Trachten angezogen, getanzt, gesungen und die verschieden Instrumente gespielt. Danach gab es noch ein wirklich leckeres Willkommensessen!  Hier drei Fotos von dem tollen Abend:

Das ist Kiki, die Tochter der Köchin bei uns in der Sprachschule. Sie ist ein sehr aufgewecktes und lustiges kleines Mädchen, das stets beschäftigt werden möchte:

Und so sieht Sucre von unserer Terrasse aus:

Ich wünsche Euch alles Liebe und Gute aus dem wundervollen Sucre, un besito y CHAO :)